3.Mainzer Hebraistisches Kolloquium (MHK)

3. Mainzer Hebraistisches Kolloquium an der Johannes Gutenberg - Universität Mainz am 6. November 1999

Zum dritten Mal fand am 6. November diesen Jahres das Mainzer Hebraistische Kolloquium statt. Im Andenken an den vor kurzem verstorbenen Mainzer Hebraisten und Alttestamentler Prof. Dr. D. Michel, der die hebraistische Arbeit in Mainz während seines aktiven Mainzer Wirkens (1981-1999) stets befördert hat, lud der Mainzer Arbeitskreis für Althebräische Sprache unter Federführung von Dr. Reinhard G.Lehmann und Johannes F. Diehl in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Wolfgang Zwickel zu einer Gedenkvorlesung im Rahmen des Kolloquiums ein. Diese akademische Gedenkvorlesung, zu der über 100 Gäste gekommen waren, hielt Michels früherer Studienfreund Prof. em. Dr. Rudolf Smend (Göttingen), der ihn als Wissenschaftler und Kollegen eingehend würdigte. Den Hauptvortrag des diesjährigen Hebraistischen Kolloquiums sollte ursprünglich Prof. Dr. D. Michel über das Funktionsspektrum des hebräischen Verbs halten. An seiner Stelle sprach nun Dr. Ingo Kottsieper (Münster) über "yaqattal - Phantom oder Problem? Erwägungen zu einem hebraistischen Problem und zur Einteilung der semitischen Sprachen." Der Marburger Semitist Otto Rössler, Lehrer von Kottsieper, hatte ab 1961 in einer Serie von Aufsätzen "eine bisher unerkannte Tempusform im Althebräischen" zur Diskussion gestellt. Er hatte beobachtet, daß in dreizehn Fällen einer bestimmten Klasse von schwachen Verben scheinbar ungrammatische Formen vorliegen und zog daraus den Schluß, daß neben den bekannten Tempusformen des Hebräischen noch eine weitere existiert haben müsse. An diesen Vorstoß Rösslers schloß sich eine langdauernde Kontroverse Pro und Contra an. Unter dem Dictum "Syntax kann man erst machen, wenn man weiß, wieviel Formen man überhaupt hat", griff Kottsieper die Rösslersche These erneut auf und setzte, um sich nicht in Nachfolgekämpfen zu verlieren, erneut direkt bei den Beobachtungen Roauml;sslers an. Er arbeitete heraus, daß die hier und in weiteren Texten belegte, aus einigen anderen semitischen Sprachen bekannte, aber im späteren Hebräischen aufgegebene Tempusform zum Ausdruck des Durativs in der gehobenen literarischen Sprache gehörte. Daran schlossen sich Überlegungen zu einer neuen Einordnung des Althebräischen in das Ensemble der semitischen Sprachen an, die in die Beobachtung mündeten, daß es unter den nordsemitischen Sprachen als erst relativ spät bezeugte dennoch zu den typologisch älteren gehört.

Die Verwendung von Imperativen als Interjektionen im klassischen Hebräisch stellte Johannes F. Diehl (Mainz), Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt ISATEX, in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Unter dem Titel des wortwörtlich aus Gen 27,19 übersetzten und zunächst widersprächlich klingenden Satzes "Steh auf, setzt dich und iß" befaßte sich Diehl mit der Frage: "Unter welchen UmstSnden wird ein Imperativ als Interjektion und wann als 'echter' Imperativ gebraucht?" Vergleichbare Phänomene sind in vielen Sprachen bekannt, etwa auch im Deutschen, wenn man "Komm, geh!" sagt. Für die literarisch überlieferten Texte des klassischen Hebräisch gilt, daß die Entscheidung über imperativische oder interjektionale Funktion von Imperativen von semantischen und kotextuellen syntaktischen Parametern abhängig ist.

Den Vortragsteil des Kolloquiums beschloss Michael Malessa (Leiden), der die "Differentielle Objektmarkierung im klassischen Hebräisch" in den Mittelpunkt seiner Betrachtung stellte. Anhand statistischer Ermittlungen stellte er fest, daß die Verwendung der sog. Nota Accusativi im Althebräischen auch bei determinierten Objekten in der Prosasprache nie obligatorisch, sondern immer fakultativ ist.

Bei der anschließenden Gelegenheit, Arbeitsvorhaben und Projekte vorzustellen und Termine bekanntzugeben, wies Dr. Reinhard G.Lehmann auf die neu gegründete Reihe KUSATU (Kleine Untersuchungen zur Sprache des Alten Testaments und seiner Umwelt) hin, die Lehmann im Auftrag der Forschungsstelle für Althebräische Sprache (früher: für Hebräische Syntax) am Fachbereich 02 Evangelische Theologie herausgibt. KUSATU ist ein wissenschaftliches Publikationsorgan für die Althebraistik und ihrer Nachbargebiete. Es sollen hier sowohl Aufsätze verschiedenen Umfangs, als auch Einzeluntersuchungen erscheinen. Ein erster Band wird im ersten Halbjahr 2000 die Vorträge dieses 3. Mainzer Hebraistischen Kolloquiums enthalten.

Das 3. Mainzer Hebraistische Kolloquium wurde finanziell unterstützt durch die Johannes Gutenberg-Universität und die Freunde der UniversitSt Mainz.

Die Beiträge des 3. Mainzer Hebraistischen Kolloquiums sind erschienen in KUSATU (Kleine Untersuchungen zur Sprache des Alten Testaments und seiner Umwelt) Band 1, Waltrop 2000.