7th Mainz International Colloquium on Ancient Hebrew

Johannes Gutenberg University of Mainz

November 2004, Friday, 12th - Saturday, 13th,

Alt-Hebraisten trafen sich zum siebten Mal in Mainz

Mit großem Erfolg ging am Wochenende an der Universität Mainz das 7. „Mainz International Colloquium on Ancient Hebrew” (MICAH) zuende. Zwei Tage lang haben ca. 50 Semitisten, Historiker, Linguisten und Alttestamentler aus Deutschland, Südafrika, Ungarn, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und aus dem Libanon die vielseitigen Aspekte der althebräischen Philologie und Epigraphik diskutiert.
Das „Mainz International Colloquium on Ancient Hebrew”, 1998 von Dr. Reinhard G. Lehmann an der Johannes Gutenberg-Universität gegründet, findet jetzt mit erheblich erweitertem Programm alle zwei Jahre statt. Veranstalter ist die Forschungsstelle für Althebräische Sprache und Epigraphik (R.G.Lehmann) am Fachbereich für Evangelische Theologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Zusammenarbeit mit Dr. Johannes F. Diehl vom Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Frankfurt.
Höhepunkte der diesjährigen Konferenz waren u. a. die Sicht eines Historikers (Dr. Miklos Köszeghy, Budapest) auf die judäischen Kriegsgeschichte im Ausgang des 6. Jahrhunderts v. Chr. anhand einer Neuinterpretation des inschriftlichen Materials aus den Archiven der Festungen Lakish und Arad, oder ein neuer, sprachwissenschaftlich basierter Zugang zur Analyse von Gefühlskonzeptionen im Althebräischen (Dr. Andreas Wagner, Heidelberg). Prof. Christo van der Merwe von der Universität Stellenbosch in Südafrika, der zur Zeit eine Gastprofessur des Zentrums für Interkulturelle Studien an der Universität Mainz innehat, sprach zu den Problemen, die das andere Welt- und Naturverständnis im Althebräischen für die Abfassung eines modernen Wörterbuchs dieser über 2000 Jahre alten vorderorientalischen Sprache mit sich bringt. Den überaus komplexen und bis heute noch nicht geklärten Fragen einer althebräischen Metrik widmeten sich zwei Vorträge, die bei völlig unterschiedlichen methodischen Ansätzen zeigen konnten, daß in phönizischen Königsinschriften des frühen 1. Jahrtausends v. Chr. (Dr. Reinhard G. Lehmann, Mainz) und priesterlich redigierten Psalmen der Bibel des 3. Jahrhunderts v. Chr. (Dr. Martin Mark, Augsburg) offenbar die prinzipiell gleichen, in der Levante großräumig gültigen und auf den mündlichen Vortrag (Prosodie) zurückgehenden Gesetze der metrischen Gestaltung herrschten. Einen außergewöhnlichen Akzent setzte auch der Beitrag von Dr. Alexandra Wiebelt, die sich aus biologischer und kognitionspsychologischer Perspektive mit Fragen der Lesbarkeit und ihrer Gefährdung in den alten, vor- und frühhebräischen Alphabetschriftformen auseinandersetzte. Für die altnordsemitische Epigraphik wurde damit Neuland betreten und, wie sich alle Teilnehmer einig waren, ein wichtiger interdisziplinärer Impuls gesetzt.